naturnahe Gestaltung am Bahnhof Mitte
In der Mitte der verdichteten Stadt liegt ein kleiner, dunkler Innenhof. Zehn Stockwerke hohe Wohnhäuser umschließen ihn wie eine steinerne Schlucht. Wenig Licht, wenig Wind, viel Beton – ein Ort, der nie dafür gedacht war, ein Garten zu sein.
Zwischen Fassaden und Himmel
Und doch war genau das der Kundenwunsch: Ein kommunikativer Ort, der nicht nur Durchgangsfläche ist, sondern ein Stück Natur mitten im Alltag. Die Frage war also: Wie schaffen wir möglichst viel Pflanzfläche, ohne dass der Hof noch enger wird?
Raum für Wurzeln
Nachdem der Entwurf stand konnten die Arbeiten beginnen. Wir haben das Betonsteinpflaster an den Randbereichen zurückgebaut und den Boden wieder geöffnet. So entstanden sieben Hochbeete aus Sandstein. Jeder Quadratmeter wurde zu einer kleinen Insel für Wurzeln, Bodenleben und Pflanzen.
Pflanzen für den Schatten
Die Bepflanzung wurde bewusst auf den schwierigen Standort abgestimmt.
Vor allem der Schatten, das kühle Mikroklima und der begrenzte Raum bestimmten die Auswahl.
Statt empfindlicher Zierpflanzen kamen robuste, strukturgebende und teilweise essbare Arten zum Einsatz, die auch unter diesen Bedingungen wachsen können.
Flächig wachsende Bodendecker wie Storchschnabel und verschiedene Thymianarten schließen den Boden und halten die Feuchtigkeit.
Dazwischen setzen Astern, Schafgarbe und Glockenblumen ruhige, lang blühende Akzente, die dem Hof Farbe und Tiefe geben.
In den schattigeren Bereichen sorgen Funkien, Bergenien und Prachtspieren mit ihren großen Blättern und weichen Blüten für Struktur und ein Gefühl von Fülle.
Einzelne Kräuter wie Salbei, Oregano, Minze und Lavendel bringen Duft und Nutzbarkeit in den Garten.
Ergänzt wird das Bild durch ausgewählte Beerensträucher und eine kompakte Kirsche.
Begegnung im Grünen
Ein automatisches Bewässerungssystem sorgt dafür, dass das kleine Ökosystem stabil bleibt und auch im Sommer, sich der Pflegeaufwand gering hält. Zwei Bänke schaffen Raum zum Verweilen, Begegnen und Durchatmen. Aus einer anonymen Fläche wurde ein Ort, an dem man sich aufhalten will und jedes mal etwas Neues entdecken kann.
Natürlich ist dieser Innenhof kein wilder Naturgarten. Dafür fehlen Raum, Licht und unterschiedliche Zonen. Aber er ist etwas anderes geworden: Ein Stück Grün, das zeigt, dass selbst zwischen Beton und Fassaden eine lebendige Oase entstehen kann – ein Ort, der Wertschätzung für Pflanzen, Menschen und die leisen Formen von Natur ausdrückt.